Glücksspielgesetz Reform 2026 — Zeitplan, Inhalte und Folgen für Sportwetten

Seit November 2025 liegt der Gesetzesentwurf zur Reform des österreichischen Glücksspielgesetzes zur Begutachtung vor. In neun Jahren Marktbeobachtung habe ich unzählige Ankündigungen kommen und gehen sehen, aber diesmal fühlt sich die Sache anders an. Die Konzessionen für Lotterie und Online-Glücksspiel laufen am 30. September 2027 aus, sechs Casino-Lizenzen folgen am 31. Dezember 2027 — ein Zeitfenster, das den Gesetzgeber zum Handeln zwingt. Das Inkrafttreten der Reform ist für den Sommer 2026 geplant, und die Auswirkungen auf den Sportwettenmarkt werden erheblich sein.
Ladevorgang...
Vom Entwurf zum Gesetz: Zeitplan der Reform
Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, bei politischen Zeitplänen skeptisch zu bleiben — aber die Rahmenbedingungen lassen diesmal wenig Spielraum für Verzögerungen. Der Entwurf zur GSpG-Novelle ging im November 2025 in die parlamentarische Begutachtung. Die Stellungnahmen der Branche, der Bundesländer und der Fachverbände sind eingegangen, und die Überarbeitung läuft.
Der Zeitdruck ist real. Die bestehenden Konzessionen enden 2027, und ohne gesetzliche Grundlage für ein Nachfolgesystem entstünde ein regulatorisches Vakuum. Das will niemand — weder die Regierung, die auf Steuereinnahmen angewiesen ist, noch die Anbieter, die Planungssicherheit brauchen, noch die Spieler, die auf funktionierende Spielerschutzstandards vertrauen.
Der grobe Fahrplan sieht so aus: Begutachtungsphase bis Anfang 2026, parlamentarische Behandlung im Frühjahr, Beschluss vor der Sommerpause, Inkrafttreten im Sommer 2026 mit Übergangsfristen bis zum Konzessionsende 2027. Das ist ambitioniert, aber machbar — vorausgesetzt, die politischen Verhandlungen verlaufen ohne größere Blockaden. Was mich persönlich an diesem Zeitplan am meisten beschäftigt, ist die Frage, wie die Übergangsphase gestaltet wird. Zwischen Inkrafttreten und Konzessionsende liegen gut zwölf Monate — eine Zeit, in der das alte und das neue System parallel existieren müssen. Für Spieler bedeutet das zunächst Ungewissheit, für Anbieter eine Phase intensiver Vorbereitung.
Was viele unterschätzen: Die Reform betrifft nicht nur das Bundesgesetz, sondern berührt auch die neun verschiedenen Landesgesetze, die Sportwetten bisher regeln. Denn Sportwetten gelten in Österreich als Geschicklichkeitsspiel und fallen damit in die Kompetenz der Länder — eine Besonderheit, die Österreich als einziges EU-Land aufrechterhält. Ob und wie die Reform diese Kompetenzverteilung ändert, ist eine der zentralen offenen Fragen.
Geplantes Lizenzsystem: Wer darf, wer nicht
Vor zwei Jahren sprach ich auf einer Branchenveranstaltung in Wien mit einem Vertreter des OVWG, der mir eine Zahl nannte, die mich überraschte: 20 bis 30 Unternehmen stünden bereit, sofort in den österreichischen Markt einzutreten, sobald ein funktionierendes Lizenzsystem existiert. Das ist keine Spekulation, sondern eine Schätzung des Österreichischen Verbands für Wetten und Glücksspiel auf Basis konkreter Marktinteressen.
Das geplante Lizenzsystem soll den bisherigen Monopol- und Konzessionsansatz durch ein offeneres Modell ersetzen. Statt weniger Konzessionäre, die den gesamten Markt unter sich aufteilen, sollen qualifizierte Anbieter individuelle Lizenzen beantragen können. Die Voraussetzungen werden voraussichtlich umfassen: Kapitalnachweise, Spielerschutzkonzepte, technische Standards und die Bereitschaft, sich einer laufenden Aufsicht zu unterwerfen.
Die wirtschaftlichen Erwartungen sind hoch. Der OVWG rechnet damit, dass ein Lizenzsystem bis 2031 Steuereinnahmen von rund 1,4 Milliarden Euro generieren könnte. Diese Zahl setzt voraus, dass ein Großteil des derzeit unregulierten Marktes — Anbieter mit EU-Lizenzen, die bisher ohne österreichische Konzession operieren — in das neue System überführt wird. Das Marktvolumen im Online-Segment lag 2022 bei rund 410 Millionen Euro, wobei ein erheblicher Anteil an EU-lizenzierte Betreiber ohne AT-Konzession ging. Ein funktionierendes Lizenzsystem könnte diesen Geldfluss zurück in regulierte Bahnen lenken.
Wie die OVWG-Generalsekretärin Raffaela Zillner es einmal formulierte: Mehr ausgestellte Lizenzen schaffen klare Spielregeln für alle Beteiligten und höhere Steuereinnahmen. Das klingt nach einer Win-win-Situation, aber die Details werden entscheiden. Wie hoch werden die Lizenzgebühren? Gelten die Lizenzen bundesweit oder nur in einzelnen Bundesländern? Und was passiert mit Anbietern, die sich nicht lizenzieren lassen wollen — oder können?
Was die Reform für Sportwetter bedeutet
Wer in Österreich Sportwetten platziert, wird von der Reform auf mehreren Ebenen betroffen sein. Die offensichtlichste Veränderung: Mehr lizenzierte Anbieter bedeuten mehr Wettbewerb, und mehr Wettbewerb bedeutet in der Regel bessere Quoten, bessere Boni und besseren Service. Das ist die positive Seite.
Die weniger offensichtliche Seite betrifft den Spielerschutz. Ein Lizenzsystem bringt einheitliche Standards mit sich — für Einzahlungslimits, Selbstsperren, Werbebeschränkungen und Identitätsprüfungen. Wer bisher bei einem EU-lizenzierten Anbieter gewettet hat, der nach maltesischem oder gibraltarischem Recht operiert, wird sich an strengere österreichische Regeln gewöhnen müssen. Das ist nicht unbedingt schlecht, kann aber den Einstiegsprozess verlangsamen.
Ein Punkt, der in der öffentlichen Debatte oft untergeht: Die Reform könnte auch die Wettsteuer neu ordnen. Wenn Sportwetten nicht mehr als Geschicklichkeitsspiel, sondern als regulierungsbedürftiges Glücksspiel behandelt werden, ändert sich die Bemessungsgrundlage für Abgaben. Ob das zu höheren oder niedrigeren Kosten für Spieler führt, ist noch offen.
Für den einzelnen Wetter heißt das: Die nächsten zwei Jahre werden eine Phase des Übergangs. Wer bei einem seriösen, EU-lizenzierten Anbieter wettet, macht bis zur Umsetzung der Reform nichts falsch. Aber es lohnt sich, die Entwicklung im Auge zu behalten, denn die Rahmenbedingungen für Sportwetten in Österreich werden sich grundlegend ändern — und wer informiert ist, trifft bessere Entscheidungen. Es geht nicht nur um Quoten und Boni, sondern um ein ganzes Ökosystem, das sich neu sortiert. Verifizierungsprozesse, Einzahlungslimits, Werberegeln — all das wird vom neuen Gesetzesrahmen berührt. Spieler, die sich frühzeitig damit auseinandersetzen, haben einen Vorteil, wenn das System umgestellt wird.
Reform als Wendepunkt für den österreichischen Wettmarkt
In neun Jahren Marktbeobachtung habe ich viele Reformankündigungen erlebt, die im Sande verliefen. Die GSpG-Novelle 2026 hat das Potenzial, anders zu enden — nicht weil der politische Wille diesmal stärker wäre, sondern weil die Zeit drängt. Wenn die Konzessionen 2027 auslaufen und kein neues System steht, entsteht ein rechtliches Niemandsland, das weder im Interesse des Staates noch der Branche liegt.
Für Spieler ist die Reform letztlich eine Chance: mehr Auswahl, klarere Regeln, besserer Schutz. Der Weg dorthin wird holprig sein, und nicht jedes Detail wird so umgesetzt werden, wie es heute geplant ist. Aber die Richtung stimmt. Österreich bewegt sich von einem fragmentierten System mit neun Landesgesetzen und einem einzigartigen Geschicklichkeitsspiel-Status hin zu einem modernen Lizenzrahmen, der sich an europäische Standards annähert. Das war überfällig. Ob sich die ambitionierten Einnahmeprognosen bewahrheiten und ob tatsächlich alle 20 bis 30 interessierten Unternehmen den Sprung auf den österreichischen Markt wagen, bleibt abzuwarten. Eines steht fest: Die Zeit des regulatorischen Stillstands geht zu Ende, und das ist — bei allen offenen Fragen — eine gute Nachricht für jeden, der in Österreich auf Sport wettet.
Wann tritt die Glücksspielreform in Kraft?
Das Inkrafttreten der GSpG-Reform ist für den Sommer 2026 geplant. Der Gesetzesentwurf befindet sich seit November 2025 in der Begutachtungsphase. Übergangsfristen sollen bis zum Auslaufen der bestehenden Konzessionen Ende 2027 gelten.
Werden durch die Reform mehr Anbieter zugelassen?
Ja, das geplante Lizenzsystem soll qualifizierten Anbietern den legalen Marktzugang ermöglichen. Schätzungen des OVWG zufolge stehen 20 bis 30 Unternehmen bereit, sofort in den österreichischen Markt einzutreten, sobald das Lizenzsystem steht.
Betrifft die Reform auch bestehende Wettbüros?
Die Reform betrifft den gesamten Sportwettenmarkt — online und stationär. Bestehende Wettbüros müssen sich voraussichtlich an neue Standards für Spielerschutz und Lizenzierung anpassen. Die genauen Anforderungen werden im Zuge der Gesetzgebung festgelegt.
Erstellt von der Redaktion von „Sofort Wetten“.
