Sportförderung und Sportwetten in Österreich — Wer zahlt, wer profitiert

Mehr als 2 Milliarden Euro sind seit 1986 über die Bundes-Sport GmbH in die österreichische Sportförderung geflossen — Breiten- und Spitzensport, Infrastruktur, Nachwuchsprogramme. Sportwetten, obwohl sie direkt vom sportlichen Wettbewerb profitieren, haben zu dieser Summe keinen einzigen Euro beigetragen. In neun Jahren Sportwetten-Analyse hat mich kein Paradox so beschäftigt wie dieses: Eine Branche, die vom Sport lebt, finanziert den Sport nicht. Jede Sportwette, die platziert wird, setzt voraus, dass es den sportlichen Wettbewerb gibt — ohne Fußballspiele keine Fußballwetten, ohne Athleten keine Quoten. Und doch fließt das Geld in eine Richtung: vom Sport in die Kassen der Wettanbieter, nicht umgekehrt.
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Bundes-Sport GmbH und Sportfinanzierung: Das aktuelle System
Um zu verstehen, warum Sportwetten nicht zur Sportförderung beitragen, muss man das bestehende Finanzierungsmodell kennen. Die Bundes-Sport GmbH ist das zentrale Instrument der staatlichen Sportförderung. Sie wird aus Bundesmitteln gespeist, die wiederum aus dem allgemeinen Steueraufkommen stammen. Ein Teil der Glücksspielabgaben — vor allem aus dem Lotteriemonopol — fließt zweckgebunden in den Sport. Die Sportwettenabgabe tut das nicht.
Das System funktioniert, aber es hat eine Lücke. Die Einnahmen aus dem Lotteriemonopol sind begrenzt und wachsen kaum noch. Der Sportwettenmarkt hingegen wächst — die Bruttospielerträge lagen 2023 laut Rechnungshof bei rund 1,87 Milliarden Euro. Ein Markt dieser Größe, der direkt vom sportlichen Wettbewerb profitiert, ohne in die Förderung dieses Wettbewerbs zu investieren, ist ein Konstruktionsfehler, den die meisten europäischen Länder bereits korrigiert haben. Ich habe mir vor drei Jahren die Finanzierungsmodelle von sechs EU-Ländern angesehen und war überrascht, wie isoliert Österreichs Position ist. In fast jedem vergleichbaren Markt fließt ein Teil der Sportwetteneinnahmen zurück in den Sport — über Abgaben, Sponsoring-Verpflichtungen oder zweckgebundene Steuern.
In Frankreich fließen Anteile der Sportwettenabgabe direkt in die Sportförderung. In Deutschland finanziert ein Teil der Sportwettensteuer den organisierten Sport. In Österreich geht die Wettabgabe in den allgemeinen Bundeshaushalt — ohne Zweckbindung, ohne Garantie, dass auch nur ein Cent beim Sport ankommt. Für einen Staat, der Sportwetten als Geschicklichkeitsspiel klassifiziert und damit aus dem Glücksspielgesetz ausklammert, ist das konsequent. Für den Sport ist es ein Problem.
Die Lücke: Warum Sportwetten nicht zur Sportförderung beitragen
Die Antwort ist juristisch und politisch zugleich. Da Sportwetten in Österreich als Geschicklichkeitsspiel gelten, fallen sie unter Landesrecht und nicht unter das Glücksspielgesetz des Bundes. Die Sportwettenabgabe ist eine Bundessteuer, aber sie hat keine gesetzliche Verbindung zur Sportförderung. Es gibt schlicht keinen Mechanismus, der Wetteinnahmen in den Sport lenkt.
OVWG-Generalsekretärin Raffaela Zillner hat die Konsequenz einmal deutlich formuliert: Ohne eine zeitgemäße Regulierung würden nicht nur seriöse Unternehmen, die in Österreich Steuern zahlen und mehr als 1.000 Menschen beschäftigen, die Rechnung bezahlen, sondern auch der österreichische Breiten- und Spitzensport. Das ist kein Alarmismus, sondern eine nüchterne Beschreibung des Status quo.
Das Problem wird durch den unregulierten Markt verschärft. Anbieter, die mit EU-Lizenz, aber ohne österreichische Konzession operieren, zahlen in Österreich keine Wettabgabe — und damit erst recht keinen Beitrag zur Sportförderung. Der OVWG schätzt, dass ein Lizenzsystem bis 2031 Steuereinnahmen von rund 1,4 Milliarden Euro generieren könnte. Wie viel davon tatsächlich beim Sport ankäme, hängt davon ab, ob der Gesetzgeber eine Zweckbindung einführt oder die Mittel weiterhin im allgemeinen Haushalt versickern lässt. Zum Vergleich: In Großbritannien fließen jährlich über 300 Millionen Pfund aus dem Horserace Betting Levy direkt in den Pferdesport. Selbst wenn Österreich nur einen Bruchteil dieses Anteils für den Breitensport reservieren würde, wäre die Wirkung spürbar.
Was die GSpG-Reform an der Finanzierung ändern könnte
Die geplante Glücksspielreform bietet eine historische Chance, die Verbindung zwischen Sportwetten und Sportförderung herzustellen. Wenn ein Lizenzsystem eingeführt wird und alle Anbieter — bisher regulierte und bisher unregulierten — eine österreichische Lizenz benötigen, entsteht eine neue Einnahmenbasis. Die Frage ist: Wird der Gesetzgeber einen Teil dieser Einnahmen zweckgebunden für den Sport reservieren?
Die Argumente dafür sind stark. Sportwetten profitieren direkt vom sportlichen Wettbewerb — ohne Bundesliga-Spiele keine Fußballwetten, ohne Vierschanzentournee keine Skispringen-Tipps. Dass die Branche, die von diesen Events profitiert, in die Erhaltung und Entwicklung des Sports investiert, ist nicht nur fair, sondern auch im eigenen Interesse. Mehr Sportförderung bedeutet bessere Ligen, attraktivere Events und damit langfristig mehr Wettvolumen.
Die Gegenargumente sind ebenso real: Zweckbindung schränkt die Haushaltsflexibilität des Staates ein, und jeder Euro, der in den Sport fließt, fehlt anderswo. Politisch ist die Frage nicht trivial, und die Lobbyarbeit auf beiden Seiten ist intensiv. In meiner Einschätzung wird die Reform eine moderate Zweckbindung einführen — genug, um den Sportverbänden einen Erfolg zu geben, aber nicht genug, um den Haushalt spürbar einzuschränken. Die Frage ist auch, wie die Mittel verteilt werden: Fließen sie in den Breitensport, in den Spitzensport, in die Infrastruktur? Jede Verteilung erzeugt Gewinner und Verlierer, und die Diskussion darüber wird nicht weniger kontrovers sein als die Frage, ob überhaupt Mittel fließen sollen.
Sportwetten und Sport: Eine Beziehung, die neu definiert werden muss
Die Beziehung zwischen Sportwetten und Sport in Österreich ist asymmetrisch. Die Wettbranche profitiert vom Sport, der Sport profitiert nicht von der Wettbranche. Das ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis einer regulatorischen Lücke, die politischen Willen erfordert, um geschlossen zu werden. Die Reform 2026 bietet die Gelegenheit. Ob sie genutzt wird, hängt von Entscheidungen ab, die in den nächsten Monaten getroffen werden. Die Sportförderung in Österreich hat seit 1986 mehr als 2 Milliarden Euro investiert — Geld, das den Boden bereitet hat, auf dem die Sportwettenbranche heute ihre Gewinne erzielt. Es ist an der Zeit, dass diese Branche einen angemessenen Beitrag leistet. Für jeden, der sich für die rechtliche Einordnung von Sportwetten in Österreich interessiert, ist diese Frage zentral — denn sie bestimmt, ob der Sportwettenmarkt Teil der Sportkultur wird oder ein Parallelsystem bleibt, das von ihr profitiert, ohne zurückzugeben.
Tragen Sportwetten zur Sportförderung in Österreich bei?
Nein, derzeit fließt kein Anteil der Sportwettenabgabe zweckgebunden in die Sportförderung. Die Abgabe geht in den allgemeinen Bundeshaushalt. In anderen europäischen Ländern wie Frankreich oder Deutschland gibt es Mechanismen, die Teile der Wettsteuer direkt dem Sport zuführen.
Wie finanziert sich der österreichische Sport aktuell?
Die Sportförderung läuft primär über die Bundes-Sport GmbH, die aus Bundesmitteln und einem Teil der Glücksspielabgaben finanziert wird. Seit 1986 wurden über 2 Milliarden Euro investiert. Die Sportwettenabgabe ist an dieser Finanzierung bisher nicht beteiligt.
Erstellt von der Redaktion von „Sofort Wetten“.
