Spielsucht bei Sportwetten — Hilfe und Anlaufstellen in Österreich

Spielsucht bei Sportwetten in Österreich — Hilfsangebote und Beratungsstellen

In Österreich sind rund 88.000 Menschen von Spielsucht betroffen. Diese Zahl stammt nicht aus einer Schlagzeile, sondern aus einer ORF-Recherche auf Basis aktueller Erhebungen. Sportwetten haben dabei das zweithöchste Suchtpotenzial nach dem Automatenspiel. In neun Jahren Sportwetten-Analyse habe ich gelernt, dass man über Quoten, Strategien und Markttrends reden kann — aber das Thema Spielsucht verdrängen darf man nicht. Wer über Sportwetten schreibt, ohne über ihre Schattenseite zu sprechen, erzählt nur die halbe Geschichte.

Ladevorgang...

Warnzeichen: Wann Sportwetten zum Problem werden

Ein Leser schrieb mir vor zwei Jahren eine Nachricht, die mir im Gedächtnis geblieben ist. Er hatte angefangen, während der Arbeit Livewetten zu platzieren. Nicht große Summen — zehn, zwanzig Euro pro Wette. Aber dutzende Male am Tag. Er konnte nicht mehr aufhören, obwohl er wusste, dass er insgesamt im Minus lag. Als er sich schließlich Hilfe suchte, war er überrascht, wie typisch sein Muster war.

Die Warnzeichen beginnen schleichend. Häufigeres und längeres Wetten als geplant. Einsätze, die steigen, um dasselbe Erregungsniveau zu erreichen. Das Gefühl, Verluste durch weitere Wetten ausgleichen zu müssen. Lügen gegenüber Familie oder Freunden über das Ausmaß des Wettens. Rund 64.000 Österreicher zeigen problematisches oder pathologisches Spielverhalten — etwa 1% der Bevölkerung. Bei Männern liegt die Quote bei 1,6%, bei Frauen bei 0,5%, und die Altersgruppe 14 bis 30 ist mit 1,8% besonders betroffen.

Was Sportwetten von anderen Formen des Glücksspiels unterscheidet, hat die Welser Psychologin Eliane Eder-Manser treffend beschrieben: Bei Sportwetten entsteht eine Kontroll- und Kompetenz-Illusion. Wer Tabellen studiert, Aufstellungen analysiert und Statistiken liest, hat das Gefühl, das Ergebnis beeinflussen zu können. Diese Illusion macht Sportwetten besonders gefährlich, weil sie den Übergang vom informierten Tippen zum zwanghaften Spielen verschleiert. Man glaubt, man wettet noch strategisch, während man längst die Kontrolle verloren hat.

Fast jeder zehnte Sportwetter zeigt pathologisches Spielverhalten — eine Rate, die deutlich über dem Durchschnitt anderer Glücksspielformen liegt. Das liegt an der Kombination aus ständiger Verfügbarkeit, schnellen Ergebnissen und der genannten Kompetenz-Illusion.

Hilfsangebote in Österreich: Beratung, Therapie, Sperre

Wer merkt, dass das Wetten zum Problem geworden ist, steht in Österreich nicht allein da. Das Netz an Hilfsangeboten ist dichter, als viele vermuten — man muss nur wissen, wo man suchen muss.

Die erste Anlaufstelle für viele ist die telefonische Beratung. Die Spielsuchthilfe Wien bietet kostenlose und anonyme Beratung an, ebenso die Landesstellen für Suchtprävention in allen neun Bundesländern. Diese Gespräche sind vertraulich und oft der erste Schritt, um das Problem zu benennen — denn genau das fällt den meisten am schwersten.

Für tiefergehende Unterstützung gibt es ambulante Beratungsstellen, die auf Glücksspielsucht spezialisiert sind. Die Spielsuchthilfe in Wien, die Suchtberatung in Linz, die Fachstelle für Glücksspielsucht in der Steiermark — jedes Bundesland hat eigene Einrichtungen. Dort arbeiten Psychologen und Therapeuten, die Erfahrung mit spielsüchtigen Klienten haben und individuelle Therapiepläne erstellen. Die Kosten werden in vielen Fällen von der Krankenkasse übernommen.

Die Universität Innsbruck hat 2024 untersucht, wie sich einheitliche Spielerschutzstandards auf problematisches Spielverhalten auswirken. Das Ergebnis: Einheitliche Standards senken das Risiko um rund 17,3%. Das unterstreicht, wie wichtig systematischer Schutz ist — und wie viel Nachholbedarf Österreich mit seinen neun verschiedenen Landesgesetzen hat.

Ein konkretes Instrument ist die Spielersperre. Spieler können sich bei Anbietern selbst sperren lassen — freiwillig und in der Regel unkompliziert. Die Sperre verhindert den Zugang zum Wettkonto für einen selbst gewählten Zeitraum oder dauerhaft. In der Praxis funktioniert das bei den großen Anbietern gut, hat aber eine Schwäche: Eine Sperre bei Anbieter A verhindert nicht die Anmeldung bei Anbieter B. Eine zentrale Sperrdatenbank für Sportwetten, wie sie für Casinos existiert, fehlt in Österreich bisher.

Selbsttest und erste Schritte zur Kontrolle

Die Frage „Bin ich spielsüchtig?“ lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten — Spielsucht ist ein Spektrum. Aber es gibt bewährte Selbsttests, die eine erste Einschätzung ermöglichen. Der vom IHS — Institut für Höhere Studien — mitentwickelte Fragebogen umfasst Fragen wie: Haben Sie jemals mehr Geld verspielt, als Sie sich leisten konnten? Haben Sie gelogen, um Ihr Spielverhalten zu verbergen? Haben Sie versucht, Verluste durch weiteres Spielen auszugleichen?

Wer bei zwei oder mehr Fragen mit Ja antwortet, sollte professionelle Beratung in Betracht ziehen. Das ist keine Schwäche, sondern ein rationaler Schritt. Das IHS hat in einer umfassenden Analyse das Suchtpotenzial verschiedener Glücksspielformen untersucht und festgestellt, dass Automatenspiel mit rund 60% des gesamten Suchtpotenzials an der Spitze steht, gefolgt von Online-Gaming und Sportwetten. Sportwetten sind also nicht das gefährlichste Glücksspiel — aber sie sind gefährlich genug, um Aufmerksamkeit zu verdienen.

Erste Schritte zur Kontrolle beginnen nicht mit Therapie, sondern mit Strukturen. Ein festes Wettbudget pro Woche, das nicht überschritten wird. Ein Zeitlimit für Wettaktivitäten. Keine Wetten unter Alkoholeinfluss. Keine Wetten, um Emotionen zu regulieren — Frust, Langeweile, Stress. Diese Regeln klingen simpel, aber wer sie konsequent einhält, reduziert das Risiko problematischen Verhaltens erheblich.

Stärke zeigt, wer den ersten Schritt macht

In neun Jahren Marktbeobachtung habe ich gesehen, wie Sportwetten Leben bereichern können — als Unterhaltung, als intellektuelle Herausforderung, als Gemeinschaftserlebnis unter Freunden. Und ich habe gesehen, wie sie Leben zerstören können, wenn die Kontrolle verloren geht. Zwischen diesen Polen liegt ein breites Spektrum, und die meisten Spieler bewegen sich in einem unproblematischen Bereich.

Aber wer merkt, dass sich etwas verändert — dass die Gedanken ständig um die nächste Wette kreisen, dass der Einsatz steigt, dass die Stimmung vom Wettergebnis abhängt —, sollte nicht warten, bis das Problem offensichtlich wird. Die Rechtslage in Österreich schreibt Spielerschutzmaßnahmen vor, aber der wichtigste Schutz beginnt bei jedem selbst. Hilfe anzunehmen ist kein Eingeständnis von Schwäche. Es ist eine der klügsten Entscheidungen, die man treffen kann.

Wie funktioniert die Spielersperre in Österreich?

Spieler können sich bei Wettanbietern freiwillig sperren lassen — für einen bestimmten Zeitraum oder dauerhaft. Die Sperre verhindert den Zugang zum Wettkonto. Eine zentrale Sperrdatenbank, die anbieterübergreifend gilt, existiert für Sportwetten in Österreich allerdings noch nicht.

An welche Stellen kann ich mich bei Spielsucht wenden?

In jedem Bundesland gibt es spezialisierte Beratungsstellen: die Spielsuchthilfe Wien, die Suchtberatung Linz, die Fachstelle für Glücksspielsucht Steiermark und weitere. Die Beratung ist kostenlos, vertraulich und oft auch telefonisch oder online möglich. Therapiekosten werden in vielen Fällen von der Krankenkasse übernommen.

Haben Sportwetten ein höheres Suchtpotenzial als andere Glücksspiele?

Sportwetten haben das zweithöchste Suchtpotenzial nach dem Automatenspiel. Die Kombination aus ständiger Verfügbarkeit, schnellen Ergebnissen und der Illusion, durch Wissen das Ergebnis beeinflussen zu können, macht sie besonders riskant. Fast jeder zehnte Sportwetter zeigt Anzeichen problematischen Spielverhaltens.

Erstellt von der Redaktion von „Sofort Wetten“.